Projekt Aichschiess

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Vor dem Umbau

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... und nachher

Carl Schäfer – Orgel von 1896

 

Entdeckung auf dem Dachboden“, so wurde in der Stuttgarter Presse im Frühjahr 2009 berichtet. Noch zwei Jahre zuvor war lediglich eine Ausreinigung und eine geringe technische Überarbeitung von der Gemeinde in Aichschiess in Betracht gezogen worden.  Bei der Besichtigung des Instruments und der Windversorgung auf dem Dachboden der Kirche machte ich eine interessante Entdeckung. Inmitten allerlei Utensilien entdeckte ich den originalen Spieltisch der Schäfer Orgel. Jahrzehntelang hatte er dort gestanden. Durch Holzwurmbefall und Klimaschwankungen waren sämtliche Teile daran stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

 

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Fundstück Spieltisch

Für mich stellte sich nicht zuletzt aufgrund der Schäden die Frage, was mit dem elementaren Originalbaustein der Orgel für die nächsten Jahrzehnte geschehen würde? Ohne eine „Rettung“ oder zumindest Sicherung des Bestandes wäre das Stück weiterem Verfall preisgegeben gewesen. Die Ideale, wenn auch etwas aufwändigere Lösung sah ich in der Rekonstruktion des Spieltisches. Dazu sollte der verhältnismäßig junge Spieltisch weichen. Aus technischer Sicht kam mir dabei der jüngere Spieltisch entgegen. Zeitgemäß war er um 1970 in steriler Form mit Kunststoff- und Aluminiumbauteilen dem schönen neugotischen Orgelgehäuse vorgesetzt worden. Neben den Verschleißteilen wäre es zudem sinnvoll gewesen die Aluminiumtraktur vollständig auszutauschen. Auf die ausdrückliche Empfehlung des Orgelsachverständigen Herrn Prof. Lutz hin entschied sich die Gemeinde für die technische Rekonstruktion.

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...nach der Überarbeitung

Den eigentlichen Ausschlag für eine Generalüberholung hatte jedoch nicht der Verschmutzungsgrad gegeben, sondern ein absolut ruinöser Magazinbalg. Obwohl die originale Windversorgung völlig überdimensioniert war, hob sich die Balgplatte nur noch mühsam an.

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Balgzustand 2008

Bei derart brüchigen Lederteilen und Rissen in den Holzrahmen war eine gesamte Neubelederung unabdingbar. Dazu mussten zunächst die mit Papier bezogenen Holzteile gereinigt werden.

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Einzeln wurden die Falten mit Darmsaiten neu eingebunden und an sämtlichen beweglichen Teilen doppelt beledert.

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15 Schaffelle wurden allein in dem Balg verarbeitet. Dem originalen Zustand entsprechend wurden die Holzteile mit Papier bezogen. Selbstverständlich wurde auch wieder wie im Jahr 1896 üblich Knochenleim dazu verwendet.

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Der Standort des Balges konnte auf dem Dachboden beibehalten werden. Da er dort bisher völlig ungeschützt gegen Klimaschwankungen, manchmal Schnee und Tauwasser, direkt unter den Dachziegeln gestanden hatte, wurde eigens für die Windversorgung eine isolierte Balgkammer errichtet. Damit ist das Leder künftig gegen  derartige Einflüsse gesichert.

Auch kann die historische Treteinrichtung wieder betätigt werden.

 

Neben der Ausreinigung des Instruments wurde das in der Nachkriegszeit hinzugebaute Nachthorn 4´im Prospekt entfernt und durch einen Prinzipal neu ersetzt. Damit hat die Orgel mit ihren lediglich 6 Registern wieder bedeutend an Tragfähigkeit gewonnen.

 

Mit einem Gottesdienst feierte die Gemeinde
im Juni 2009 die Wiedereinweihung.