Projekt Metzingen

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Als Truhenorgel oder auch als Positiv (von lat. ponere = setzen, stellen)

werden Orgeln bezeichnet, die beweglich sind.

Dieser Gattung der Pfeifenorgeln ist auch das älteste namentlich

genannte Instrument zuzuordnen. Die sogenannte „Hydraulis“

wird bereits auf das Jahr 246 v. Chr. datiert.

Als weltliches Unterhaltungsinstrument wurdesie an den Höfen

und in Amphitheatern im Mittelmeerraum eingesetzt.

 

Dieses Instrument an sich blickt auf eine große Vergangenheit zurück. Wenn auch heute den Truhenorgeln im Vergleich zu den Hauptorgeln in unseren Kirchen nur eine untergeordnete Rolle zukommt, so sind sie doch bei jeder Neuanfertigung etwas absolut außergewöhnliches. Meist sollen sie möglichst viele Klangmöglichkeiten bieten, sowohl zur Begleitung als auch zum solistischen Spiel, und dabei möglichst klein, handlich und leicht gebaut sein. In der Realität gibt es so ein Instrument als Ideal nicht. Dafür ist eine möglichst breit gefächerte Annäherung an die gestellten Wünsche einer Gemeinde eine Herausforderung, der ich mich jederzeit gerne stelle.

Bei der Truhenorgel für die Martinskirche in Metzingen sollte das Instrument im klanglichen Bereich sowohl für die Gemeindebegleitung bei kleineren Gottesdiensten, Bibelwochen, oder aber für den konzertanten Einsatz bei Messen und Oratorien mit der Kantorei ausreichende Möglichkeiten bieten. Alle Stimmen sind daher geteilt in einen Bass- und Diskantbereich. So können beispielsweise begleitend Akkorde im Bassbereich gehalten und zugleich solistisch im Diskantbereich Melodieführungen in einer anderen Registrierung gespielt werden.

Wer schon öfters mit Orchestern gearbeitet hat kennt das Problem, dass sich bestimmte Instrumente nicht oder nur bedingt auf die festgelegte Tonhöhe der Truhenorgel stimmen lassen. Daher kann die Klaviatur um einen Halbton nach unten oder oben verschoben werden. Man nennt dies eine Transponiereinrichtung. Bei der hier angebrachten Variante umfasst der Tonumfang damit HH bis gs´´´.

Um das Instrument alleine gut bewegen zu können, sind Rollen angebracht. Für den Transport in einem Fahrzeug kann der obere Teil der Truhenorgel abgenommen und mit den seitlich montierten Tragegriffen von zwei Personen bewegt werden. Das Unterteil beinhaltet den Gebläsemotor samt dem Balg.

 

Disposition: 1. Gedeckt
2. Holzflöte
3. Prinzipal
4. Quinte



1 1/3´
Maße:
Breite

Höhe:
Unterteil
Oberteil

Tiefe
1190 mm


300 mm
750 mm

660 mm
Gewicht: Oberteil
Unterteil
98 kg
44 kg

 

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Verschiedene Prospektentwürfe, angelehnt an Bauelemente der Martinskirche, legte ich der Gemeinde vor. Die Entscheidung fiel zugunsten dieses Entwurfes. Nun konnten die Konstruktionsarbeiten zum Aufbau des Instruments beginnen.

 

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Nach der Festlegung der Mensuren begann der Bau der 116 Holzpfeifen. Die größte Holzpfeife in diesem kleinen Instrument misst 1,30 Meter Länge. Die Prospektpfeifen sind aus Ahorn und Kirschbaum gefertigt.

 

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Die Pfeifen sind so angeordnet, dass sie zur Stimmung gut erreicht werden können.

 

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Das sogenannte „Pfaffengitter“ ermöglicht eine Klangabstrahlung auch zur Seite hin.

 

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Die Registeranordnung direkt neben der Klaviatur Ermöglicht ein einfaches umregistrieren.

 

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Bei engen Türen wie auch zum Transport, kann die Klaviatur einfach hochgeklappt werden.

 

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Seit Oktober 2007 ist die Truhenorgel in und um Metzingen im Einsatz.