Projekt Seeburg

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Gruol – Orgel von 1853

 

Wer gerade um Reutlingen oder Münsingen herum unterwegs ist, sollte auf keinen Fall an dem Bad Uracher Teilort Seeburg vorbeifahren. Das kleine Dorf mit wenigen hundert Einwohnern ist in vielerlei Hinsicht geschichtsträchtig. Der ganze Ort sitzt sozusagen auf einer Tuffterrasse. Dieses löchrige Kalkgestein wurde über Jahrhunderte hinweg im Ort abgebaut. In der ganzen umliegenden Gegend wurden unzählige öffentliche Gebäude, aber auch Stallungen mit Seeburger Tuff erstellt. In Seeburg selbst dominiert selbstverständlich auch der schöne Baustoff. Auf einem kleinen Hügel steht die Johanneskirche mit ihrer romanischen Apsis.

Aus Bissingen Teck erbaute Johann Victor Gruol 1853 eine Orgel mit einem Manual und sieben Registern. Der Zeit entsprechend wurde das Instrument mit Kegelladen erstellt. Im Inneren der Orgel tauchte im Zuge der Arbeiten 2008 eine Inschrift auf mit der Aussage „Erbaut von Goll“auf. Der Orgelbauer Christoph Ludwig Goll war also damals noch bei Gruol tätig. Kurze Zeit später machte er sich in Kirchheim Teck selbständig und erbaute von dort aus viele neue Instrumente, nun eben mit dem neuen Windladensystem der Kegellade.

In Seeburg ist das Werk Gruols mit Ausnahme des Prospekts original erhalten. Das ist beinahe ein Wunder, denn im Lauf der 70 er Jahre wollte man die Orgel wegen häufiger Mängel loswerden. Das Denkmalamt kam dem zuvor und schützte das Stück. So einigte man sich 1986 auf die Erweiterung mit einem Brüstungswerk im Cornettaufbau. Dabei verschwand leider der historische Spieltisch. Immerhin wurde der neue Spieltisch der ursprünglichen Bauweise nachempfunden.

Bei der Generalüberholung nun standen keine grundlegenden Änderungen am Werk an. Vielmehr galt es neben der Reinigung aller Teile, Verschleißteile auszutauschen und die Intonation des Brüstungswerks etwas abzurunden. Die Orgel erstrahlt wieder in frischem Glanz und steht für Ihren Dienst an den kommenden Generationen bereit.

 

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Staub und Spinnweben dämpfen den Klang und begünstigen die Verstimmung

 

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ein kleiner Windladenriss neben den Kegeln der Registerkanzelle

 

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einzelne Kegel waren undicht

 

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die Achsen der Tonwellen waren verrostet und ausgeschlagen

 

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die Mündungen der Metallpfeifen waren in sehr schlechtem Zustand

 

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mit Tesa wurde das gebrochene Metall stabilisiert

 

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neue Stimmrollen wurden eingesetzt sowie ausgebrochene Mündungen ergänzt

 

Mit einem Gottesdienst feierte die Gemeinde im Dezember 2008 die Wiedereinweihung.